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‘Kinder – Kinder’, das ist ein Thema!

Seit ich mich erinnern kann, gibt es in der Begleitung von Kindern Bewertungsmassstäbe auf Seiten der Erwachsenen, welche die Kinder bewusst oder unbewusst zu erfüllen haben.

Ob in der Spielgruppe, im Sport, in der Schule und auch in der Familie intern oder zwischen den Familien.

Verschiedene Settings

Da war in meinem Leben z.B. Kunstturntraining meiner Töchter – das ich als Trainier der Mini-Turnerinnen (4 – 5 jährige Mädchen) zwei Jahre unterstützen durfte. Dort habe ich eine der härtesten Auswahlpraktiken erlebt. Was nicht hart genug oder genügend frustresistent den originären Trainingsmethoden gegenüber war, wird ausgeschieden. Konsequente und klare Ansage an Kind und Eltern, dass es im KuTu nix taugt. Auch für Kinder, die den Weg über mehrere Jahre gegangen sind, klare Ansage: aussortiert, Schnitt und weiter – egal was mit den Kindern und deren Umfeld passierte. (ich hoffe, das hat sich mittlerweile humaner gestaltet!)
Oder die Schmiede des klassischen (russisch geprägten) Ballett. Was nicht den engen Auswahlkriterien entspricht: aussieben, Schnitt und weiter. Oder auch im Volleyball-Leistungssport mit Jugendlichen …
Im KuTu, Ballett oder Volleyball (…) ein klarer, strikter Leistungsanspruch an dem das Kind wächst oder zerbricht (nun, Pech gehabt, dein Problem).
In all den Bereichen erlebte ich ein Dressieren der Kinder und das Messen an klaren Kriterien der Erwachsenen – ohne Gnade.
Eine Reflektion der Trainier, ob es andere Wege der Begeisterung und Förderung der Kinder in diesen Bereichen möglich wäre ist undenkbar und derjenige, der das anspricht ein Ketzer, da er die Autorität des Trainers/Trainerin in Frage stellt.
In all diesen Bereichen begleiteten mich folgende Fragen: Was muss ich als Trainer anders machen, um den Kindern, welche die jeweilige Bewegungsform liebten, aber nicht in den engen Kriterienplan passten, ihre Begeisterung zu erhalten und die Entwicklung zu ermöglichen die es brauchte?
Wie kann ich einem Kind helfen, dass mit einer Bewegungsform nicht weiterkommt?

Selber gestaltete Bereiche – Dusse Verusse – Aikido

An den Orten, an denen ich selber entscheiden kann, wie ich Kindern begegne, wollte ich andere Fragen stellen.

Wie kann ich den Blick ‘auf’ ein Kind so wertfrei machen wir möglich?

Wie kann ich meine Geschichte und Persönlichkeit soweit zurücknehmen, dass ich das Kind ‘wirklich’ wahrnehmen kann?

Wie kann ich das Potential des Kindes erahnen, damit ich einen Raum dafür öffnen kann?

 

 

Beobachtungen in den eigenen Gestaltungsräumen

Ob Kinder körperlich oder in einem +/ fremdem Umfeld an ihre Grenzen geraten, sie stossen mit ihrem Verhalten an unsere Verständnisgrenzen oder unsere Geduld. So habe ich ähnliche Beobachtung auch in anderen Bereichen gemacht: Waldspielgruppe – Dusse Verusse.
Da ist das Kind, das nie mitspielt und nur beobachtet. Dieses Kind hat (noch) grosse Berührungsängste mit nasser Erde. Dieser Junge hat Energie für fünf und wirbelt alles durcheinander. Dieses Mädchen erlebt die Welt anscheinend nur indirekt durch die Fragen die es stellt. Rastlos und aufgewühlt springt dieser Junge durch den Wald. Von einem Moment der Ruhe oder Konzentration/Fokus, keine Spur.

Wie kann ich diese Kinder einladen, öffnen, Ruhe vermitteln … Raum bieten für Entfaltung?

Und da sind noch die Kinder, denen ich Aikido näherbringen will. Eine ausgelassene Horde Kinder.
Beim letzten Tag der offenen Tür kamen einige Gäste zu mir und bemerkten fast nebenbei, dass ich da ja einige spezielle Kinder beisammen hätte und ob mir das klar sei.
Danach bin ich doch etwas ins Grübeln gekommen, haben doch 4 dieser Kinder wirklich eine Diagnose im Bereich ADHS und erhalten sogar Ritalin, damit sie ‘erträglich’ sind.

Änderung des Blickwinkels

Da kommen mir so Begriffe entgegen wie: Synästhesie, Multidimensionalität, Feinstofflichkeit, Hellsichtigkeit, LOC, Bewusstseinsentwicklung, Dreidimensionalität, …
Ich beginne hier gerade in einen Themenkreis einzutauchen, der teilweise geächtet als auch faszinierend ist. Könnten dieses Ansätze uns helfen die Kinder, die wir begleiten – ob im Wald, der Schule, der Turnhalle oder zu Hause in den Familien – mit grösserer Neu-Gier zu begegnen? Vielleicht könnten diese Grenzthemen ja eine erweiterte Möglichkeit sein sanft und behutsam unseren Kindern näher zu kommen.
Da ploppen weitere Fragen auf:
Wie begleiten wir Kinder? Wie nehmen wir wahr, was sie wahrnehmen (geht das überhaupt)? Sind diese auffälligen Kinder eventuell besonders offen oder mehrfach begabt? Sind wir ihnen zu langsam? Haben sie Einblicke in unsere Welt, unser Zusammensein oder unsere Energie, die das Umfeld nicht hören oder annehmen möchte und sie flippen deshalb aus?

Echter Kontakt unerwünscht

Momentan empfinde ich diese Diagnosen ADHS, Verhaltensauffällig, aggressiv, unfähig die sportlichen Anforderungen zu erfüllen, … als Blockade, diese Kinder mit offenem Herzen anzunehmen und in einen echten Kontakt mit ihnen zu kommen. Eine Blockade, die aus der Angst entspringen könnte, echten Kontakt zuzulassen, da diese Kinder ja auch wirklich eine teilweise spezielle Art haben darum zu bitten ‘in den Arm genommen zu werden’. Sie nerven, sind impulsiv, zu still oder zu laut, unfähig und was auch sonst noch.

Ein grösserer Lernraum öffnet sich gerade

Für mich ist hier auf jeden Fall ein Lernraum geöffnet worden, mit einer grösseren Ruhe und mehr herzlichem Verständnis (oder Ahnung) Kindern zu begegnen, die uns durch ihr Verhalten zeigen, dass sie in einer stillen oder himmelschreienden Not sind. Vielleicht habt ihr ja auch schon ähnliche Gedanken gehegt oder sind sogar konkret an besondere Sichtweisen in Bezug auf die Kinder gestossen, die wir begleiten.Falls ihr schon mit solchen Aspekten konfrontiert wurdet, wäre ich sehr dankbar über ein Feedback, Anregungen, Austausch oder Rückmeldungen hierzu.Ich denke wir sind gerade in einer sehr spannenden Zeit, in der wir Kindern ganz neu begegnen können, in dem wir lernen können etwas Neues zu erkennen. Für mich heisst es den Horizont zu erweitern und offenen zu sein für grössere Zusammenhänge.Ich freue mich auf eure Rückmeldungen.

Mit herzlichem Gruss Christoph

Fotografie © Nadja Hillgruber, Infothek Waldkinder